
Meinereiner darf sich die alle fünf Jahre stattfindende größte Ausstellung für zeitgenössische Kunst natürlich nicht entgehen lassen. Letzten Sonntag pilgerte man also voller Erwartungen zu fünft in einem typischen Kunstlehrerinnenauto (roter Renault mit gigantisch großem Stauraum in der Horizontalen und Vertikalen) nach Hessen zur documenta 12.
Meine Tipps vorweg:
1. Möglichst früh am Morgen hingehen. Gegen 11 Uhr war die Luft im Fridericianum und vor allem in der Neuen Gallerie dermaßen schlecht, dass man hätte denken können, sie habe zu einer "Klaustrophobie in Atemgängen" thematisierenden Installation gehört.
2. Am besten zwei Tage einplanen. Wir waren in Kassel mehr als fünf Stunden ununterbrochen unterwegs und mussten u.a. die documenta-Halle, sowie einige Räume innerhalb und außerhalb der anderen Ausstellungsorte auslassen. Und Kopf und Beine konnten auch nicht mehr.
Überraschend war für mich der hohe Anteil an Videokunst, die in meiner Erinnerung präsenter war als die Malerei. Als Ein-Tages-Hetz-Besucher konnte man sich an den Videos leider nicht laben.
Ich bin nicht hinter das Konzept gekommen, mit welchem die Verantwortlichen die Werke (teils viel zu eng nebeneinander) arrangiert und ausgesucht haben. Scheinbar willkürlich hat man Installationen neben Gemälden neben Videos neben Fotografien neben Plastiken plaziert und die Werke einzelner Künstler auf die verschiedenen Ausstellungsorte verteilt, dass man so manche leider auch übersieht. Anstatt den einzelnen Werken Raum zur Entfaltung zu geben, hat man wohl mehr auf Quantität gesetzt. Schade drum.
Es mag vielleicht an der relativ hohen Erwartungshaltung liegen (immerhin war es mein erster documenta-Besuch), dass ich eher enttäuscht und unbefriedigt die Rückreise antrat.
Jenen, die nichts mit zeitgenössischer Kunst am Hut haben und nur aus "Oh! Ein goldener Kronkorken! Du warst auch auf der documenta? - Ja. Bekomme ich deine Handynummer?"-Gründen oder ähnlichem nach Kassel wollen, empfehle ich nur sehr bedingt die Reise nach Hessen. (Viele hübsche Menschen gab es trotzdem...)
Auch, wenn die documenta im Großen und Ganzen nicht wirklich überzeugend war, gab es natürlich persönlich favorisierte Werke, im folgenden einfach nach Ausstellungsort geordnet.
Fridericianum:
ziemlich vollgestopft, gegen Mittag auch recht stickig.
In der ersten Etage sind in meiner Erinnerung besonders die Bilderserie von Atul Dodiya (z.B. hier und hier) und die Installation von Imogen Stidworthy namens "I Hate" hängen geblieben (siehe hier und hier).
Wohl eine der bekanntesten documenta12-Installationen, die sogar aus der zweiten Etage des Friedericianum herausragt, ist "Mein eigener Ozean" von Iole de Freitas auf der zweiten Etage. In einem Nebenzimmer hängt zwischen zwei sehr abstrakten, gegenstandslosen Gemälden eines von Gerhard Richters Frühwerken: "Betty", definitiv mein Lieblingswerk auf der documenta 12.
Die stündlich stattfindende Performance "Floor of the Forest" von Trisha Brown sollte man sich ebenfalls nicht entgehen lassen. Ion Grigorescus Fotos sind in einem Seitenflügel derselben Etage zu finden.
Aue-Pavillon:
schön groß, luftig und - juhu - durchaus geräumig. Gut klimatisiert und hell. Ganz großartig waren die Stuhlgruppen, die zum Ausruhen und Anschauen einluden und so mancher entspannende Besucher sah aus wie Teil einer Performance. Trotzdem war alles genauso durcheinander gewürfelt wie im Fridericianum.
Bei dem Gewusel sind in Erinnerung geblieben:
Die großformatigen Gemälde von Monika Baer und die ebenso riesigen drei Untitled-Bilder von Xie Nanxing, wie auch die Installation "Black Chords plays Lyrics" von Afif Saâdane und "Red Altert" von Hito Steyerl.
Neue Gallerie:
sehr eng, sehr stickig, sehr dunkel beleuchtet. Räumlich gesehen war es nicht so meins. Aufgrund von nicht weiter zu erläuternden Schmerzen war ich auch sehr ungeduldig und wollte nur noch raus.
Jedoch sollte man sich, wenn man denn schon mal dort ist, die Collagen von Ines Doujak, deren Arbeit "Siegesgärten" man auch schon im Aue Pavillon betrachten konnte, vornehmen. Auch schön: "Love Songs" von Mary Kelly (hier und hier). Für Gesprächsstoff werden sicherlich auch Churchill Madikidas Werke sorgen.

4 comments:
warum hast du nicht das schaufenster von pharad möller (ist der böller) erwähnt. das ist sicher documenta-esker geschmückt als eh schon.
weil ich es leider gar nicht gesehen habe. hätte auch fotos von gemacht, wenn, ja, wenn.
gib dir doch nächstes mal einen namen, du anony-apfelmus-rené.
besser?
Nun...
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